Kajaktour Main Juli 2020

 


So, diesmal geht es nicht eine Fahrradtour. Vielmehr hatte ich schon den längeren geplant, eine Flusswanderung zu unternehmen und zwar mit einem Paddelboot.
Das Problem besteht darin, dass man für kurze Abschnitte auf deutschen Flüssen von Kanuverleihern Kanus leihen kann, irgendwo an einem Fluss ins Wasser gesetzt wird und nach einigen Kilometern vom Endpunkt der Tagestour auch wieder zum Ausgangspunkt zurückgefahren wird. Bootsvermietungen für längere, also mehrtägige Touren, habe ich jedenfalls im Internet keine gefunden. Also blieb mir nur übrig, mir selbst ein solches Paddelboot zuzulegen und zwar aufblasbar. Inzwischen werden solche Boote auch in der sogenannten Drop-Stich-Technologie hergestellt, wie man sie von Stand-up-Paddling-Boards kennt. D. h., der Boden und die Wände des Boots bestehen nicht mehr aus Schläuchen, sondern aus insgesamt drei ebenen Flächen und zugleich Luftkammern.
Das Ganze sieht aufgeblasen dann fast wie ein echtes starres Paddelboot bzw. Kajak aus.
Nach langen Recherchen im Internet habe ich mich dann für das 4,20 m lange Zweier-Kajak Gobi des Herstellers Wet Elements entschieden. Das Boot wird mit zwei Sitzen, einer Packtasche, einer Luftpumpe sowie Reparaturmaterial geliefert. Zu den € 1.200,00 für das Boot selbst kommen dann noch einmal rund € 300,00 für die beiden Doppelpaddel und diverses Zubehör wie Seesäcke hinzu. Außerdem habe ich mir noch ein Einmannzelt und eine aufblasbare Isomatte besorgt.

Geplant hatten wir, d. h. mein jüngerer Sohn Bastian und ich, die Tour für eine Woche. Da wir keinerlei Erfahrung hatten, wie weit man an einen Tag kommt, hatten wir ausgehend vom Einsatz in den Main in der Nähe von Bad Staffelstein prinzipiell Würzburg ins Auge gefasst. Die Anreise erfolgte mit dem Zug. Die Packtasche für das Boot mussten wir zu Hause lassen, denn diese hätte nicht mehr in die kleinen Stauräume im Boot gepasst. Stattdessen nahmen wir zwei große, doppelte 240 l Müllsäcke.
In den einen Sack kam das Boot. In den anderen die Paddel, die Luftpumpe und die Sitze. Hinzu kamen dann noch für jeden von uns zwei Seesäcke. Jeweils der größere für die Bekleidung und der  kleinere für das Zelt mit der kleinen Luftmatratze und dem Schlafsack. Wir waren also sehr gut bepackt.
Den schweren Sack mit dem Boot trug mein Sohn, der glücklicherweise deutlich jünger und kräftiger ist als ich :-).

Die Tour dauerte vom 03. bis 07.07.2021. Einen Streckenverlauf auf Komoot, wie bei meinen Fahrradtour üblich, kann ich diesen Bericht leider nicht beifügen, denn mit Komoot kann man "nur" Wander -und Fahrradtouren planen, aber keine Flusstouren.
 

1. Tag: Anreise Göppingen - Bad Staffelstein   


Wir hatten uns ein sogenanntes Quer-durchs-Land-Ticket für rund € 50,00 der Deutschen Bahn besorgt. Bei diesem Ticket darf man nur Nahverkehrszüge benutzen, d. h. man ist aufgrund der dadurch bedingten Bummelei recht lange unterwegs. Da wir nur von Baden-Württemberg nach Franken mussten, war dies aber nicht wirklich ein Problem.
Bis Nürnberg war auch alles in Ordnung. Dann allerdings ging der Ärger los. Auf der Strecke Richtung Bamberg hatte sich leider ein Selbstmörder auf die Gleise geworfen. Die armen Lokführer können einem nur Leid tun. Sie haben keine Chance solche Unfälle zu vermeiden und leiden meist ein Leben lang darunter. Unser Problem war, dass sowohl unser Regionalzug nach Bamberg ausgefallen war als auch diverse ICEs in Nürnberg stecken geblieben waren. Ich hatte dann die Fahrdienstleiterin auf dem Bahnsteig in Nürnberg gefragt, ob wir angesichts der Sondersituation ausnahmsweise auch mit dem nächsten ICE nach Bamberg fahren dürften. Sie bejahte dies. Da hatte ich die Rechnung allerdings ohne die Schaffnerin des ICEs im Zug gemacht. Diese erklärte mir nämlich, dass wir mit unseren Ticket mit dem ICE nicht fahren dürften. Meinen Einwand, dass die Kollegin in Nürnberg dies aufgrund der Sondersituation erlaubt hätte, quittierte sie mit der Frage, ob ich mir dies hätte schriftlich geben lassen. Hatte ich natürlich nicht. Wir kommt auch auf so etwas?
Das Ergebnis war, dass ich € 70,00 nachzahlen durfte. Ich habe mich darüber bei der Deutschen Bahn beschwert, aber Sanktbürokratius´ Mühlen der DB mahlen langsam.
Dafür hat dann ein netter Schaffner in Bamberg dem Zugführer extra eine Minute angehalten, damit wir völlig außer Atem und schwer beladen den Zug nach Bad Staffelstein noch erreichen konnten.                                                                                                                                                                                                                        Rathaus Bad Staffelstein

Am späten Abend am Bahnhof in Bad Staffelstein angekommen, brachte uns ein Taxi zum Gasthaus Grüner Baum in der Ortsmitte. Ich kenne dieses schöne fränkische Gasthaus von früheren Radtouren. Es gibt dort leckeres fränkisches Essen und einfache aber auch preiswerte Zimmer. Meine heiß geliebte, hausgemachte Leberknödelsuppe im Glas bekam ich sogar noch, obwohl es schon spät am Abend war.
 

2. Tag: Bad Staffelstein - Bischberg 36 km

    
Am nächsten Tag wurde es ernst. Das schwere Gepäck wurde wieder ins Taxi verladen und wir fuhren an den Main nach Unnersdorf. Dort wurde das Boot aufgeblasen. Die Seesäcke wurden am Bug und am Heck unter die Spritzdecken und den hinteren Sitz gequetscht, ein Seesack kam hinten ins Gepäcksnetz auf der Spritzdecke, die Luftpumpe vorne ins Netz auf der Spritzdecke. Man muss, diese Warnung nur an alle, die so etwas nachmachen wollen, mit dem Gepäck d. h. mit der Kleidung noch mehr sparen als man es von Fahrradtouren gewöhnt ist. Andererseits ist die Mitnahme der Camping-ausrüstung fast zwingend. Während man mit dem Fahrrad immer irgendwo, wenn auch manchmal erst nach etlichen Kilometern, eine Übernachtungsmöglichkeit in der Form eines Gasthauses oder Hotels findet, ist dies bei Flusstouren bedeutend schwieriger.
Das Startfoto der stolzen „Jungpaddler" musste natürlich sein!

Der erste Einstieg ins Boot war noch eine wackelige Angelegenheit, aber mit der Zeit bekommt man den Dreh raus. Und los ging's!
Bis zur Einmündung in den Rhein-Main Donaukanal ist der Main an manchen Stellen noch recht flach. Da der Sommer 2020 aber schon von Beginn an mit viel Regen vermischt war, hatten wir immer ausreichend Wasser unterm Kiel und mussten das Boot an keiner Stelle durch flaches Wasser tragen. Zu zweit gleichmäßig und synchron zu paddeln, muss man auch erst mal lernen, sodass wir am Anfang auch ein bisschen Zickzack gefahren sind. Davon abgesehen war es wunderschön, das erste Mal auf dem langsam dahinterfließenden Main dahin zu paddeln.
So etwa alle 7 km gibt es in der Regel Ausstiegsstellen, die mit einem großen gelben Haken auf einem blauen Schild gekennzeichnet sind. Häufig stehen dort auch Informationen über in der Nähe liegende Gaststätten etc.
Etwa auf der Höhe von Ebensfeld, so genau lässt sich das nicht sagen, da man unten auf dem Fluss relativ wenig von der Umgegend sieht, machten wir dann einen ersten Stopp. Wenn man, so wie ich, nicht im Training ist, jedenfalls nicht mit den Armen (das bisschen Sportstudio reicht halt nicht :-) ), dann ist die Paddelei doch ganz schön anstrengend. Meine Fahrradtouren, auch ohne "E", sind verglichen damit ein Klacks. Die von meinem Sohn vor der Tour vermuteten zahl-reichen Gaststätten unmittelbar am Fluss gab es übrigens nicht. Wir sind auf der Strecke einmal in einen großen Badesee abgebogen, um dort vielleicht einen Kiosk zu finden. Gab es aber keinen! Unverdrossen paddelten wir, inzwischen allmählich im Training, also weiter. Hin und wieder gab es auch einige kleinere Stromschnellen, die viel Spaß gemacht haben.
Einige Kilometer vor der Einmündung in den Rhein-Main-Donaukanal wird der Fluss dann deutlich tiefer und verwandelt sich in ein fast stehendes Gewässer. Am frühen Abend fuhren wir in den Kanal ein. Direkt gegenüber der Einmündung lag auf der anderen Seite eine Anlandestelle. Er stellte sich heraus, dass wir in unmittelbarer Nähe eines kleinen Dörfchen namens Bischberg, nicht weit entfernt von Bamberg, angelangt waren. Ich ging zu Fuß das Örtchen und Juchhuh! Es gab dort tatsächlich den urigen, fränkischen Brauereigasthof Sonne. Dort gab es nicht nur ein preiswertes Doppelzimmer sondern eine abschließbare Garage für unser Boot dazu. Mein Herr Sohn, der alte Muckiman, wollte das Boot samt Gepäck am Stück ins Dorf tragen. Das habe ich aber dankend abgelehnt. Wir haben dann erst das Gepäck zur Gaststätte gebracht und anschließend das Boot geholt. Der Abend waren ausgesprochen zünftig. Das hausgebraute Bier war süffig, die Bierkutscherpfanne deftig lecker und die Mitstreiter am Stammtisch schon ziemlich zu, aber gut drauf!


3. Tag: Bischberg - Haßfurt 30 km


Nach einem kräftigen Frühstück ging es mit dem Gepäck dann zurück an den Kanal und anschließend wurde das Kajak in einem kleinen Hafen wieder zu Wasser gelassen.
Die Paddelei war an diesem und auch am Folgetag deutlich anstrengender. Kanäle mit ihren Schleusen sind genau genommen keine Flüsse, sondern eine Aneinanderreihung von Teichen mit minimaler Fließgeschwindigkeit.

Viel Freude haben allerdings die Schleusen gemacht. Die erste, die Schleuse Viereth, kam schon wenige Kilometer nach Bischberg. Wenn man sich einem Schleusenbereich nähert, ist dort oft am Ufer eine Telefonanlage, ähnlich den Notrufsäulen an Autobahnen. Wir meldeten uns also an und der Schleusenwärter teilte uns mit, dass  wir in die große, reguläre Schleusenkammer einfahren sollten. Also fuhren wir hinter einer Motoryacht in die Kammer ein und hielten uns an eine der Leitern der Schleusenkammer fest. Nachdem sich das bergseitige Schleusentor geschlossen hatte, ging es nämlich relativ flott nach unten und man musste ständig umgreifen. Ja, und dann öffnete sich das talseitige Schleusentor und wir paddelten mit unserem Miniboot ganz stolz aus der Schleuse raus. Macht einfach Spaß!

In Eltmann beschlossen wir unsere Mittagspause zu machen. Wir bogen vom Kanal in einen kleinen Seitenarm ab und vertäuten unser Boot an einem dortigen Steg. Die direkt am Fluss gelegener Aral Tankstelle hatte leider nichts zu essen. Also unternahm ich einen kleinen Fußmarsch in den Ort und in einer Metzgerei gab es leckere Leberkäswecken, die wir anschließend genüsslich auf dem Steg verspeisten

Kurz nach Eltmann kam die nächste Schleuse, nämlich die Schleuse Limbach. Hier war die Sportbootschleuse in Betrieb. Das sind kleine „Selfservice-Schleusen". Die Einfahrt in diese Schleusen ist recht beeindruckend, denn sie liegen direkt neben dem jeweiligen großen Stauwehr. Unsere Schleuse war gerade mit Oberwasser gefüllt und offen, sodass man zunächst gut reinpaddeln konnte.

Mein Sohn stieg dann aus und ging zum Schaltkasten, an dem genau beschrieben ist, welche Hebel man in welcher Reihenfolge umlegen muss, damit das Ganze funktioniert. Er hat dann ganz professionell das obere Schleusentor geschlossen und den unter Wasser liegenden Schieber der unteren Schleuse geöffnet. Der Abstieg geht dann sehr langsam vor sich. Das ist vermutlich eine Art Sicherheitsmaßnahme, damit die jeweiligen Amateurschleuser keine Panik bekommen. Am Schluss öffnete mein Sohn das untere Schleusentor, ich fuhr aus der Kammer raus und er stieg wieder ins Boot.

Und weiter ging es auf dem Rhein-Main-Donau-Kanal bis zur Schleuse Knetzgau.
Diesmal war kein Telefon vorhanden, sondern die Telefonnummer des Schleusenwärters stand einfach an die Kaimauer des Kanals kurz vor der Schleuseneinfahrt geschrieben. Dieser teilte uns mit, dass die Sportbootschleuse außer Betrieb sei und wir einfach in die große Schleusenkammer einfahren sollten. Ansonsten war kein Schiff vorhanden, nicht einmal ein Motorboot. Und so wurde der Schleusenvorgang in der großen Schleusenkammer allein für unser kleines Kajak durchgeführt. Das war irgendwie schon ein tolles Gefühl!

Danach war aber dringend eine Pause erforderlich, zumal sich an meiner rechten Hand im Bereich Daumen/Zeigefinger durch die Paddelei eine wunde Stelle gebildet hatte. Glücklicherweise gab es kurz hinter der Schleuse wieder eine Anlandestelle. Die Gelegenheit nutzte ich dann, im Internet im nahen Haßurt nach einer Übernachtungs-möglichkeit zu suchen. Seltsamerweise hatten sämtliche Hotels in Haßfurt und auch in Knetzgau kein Zimmer für „Eintagsfliegen" frei.
Ich werde da immer etwas misstrauisch, weil ich mich des Verdachts nicht erwehren kann, dass Einmalübernachtungen ganz gerne abgewimmelt werden. Stattdessen wurden wir bei den Naturfreunden in Hassfurt fündig. Diese haben einen kleinen und einfachen, aber sehr schön direkt am Main gelegenen Campingplatz. Der Campingplatz hat sogar eine offizielle Anlandestelle und der Platzwart meinte nur, wir könnten uns in Ruhe zwei Plätzchen in der Nähe dort stehender Gartentische suchen. Kurz bevor wir zur Weiterfahrt Richtung Haßfurt starteten, ging an der gleichen Stelle ein Schwanenelternpaar mit seinem Nachwuchs an Land. Für die Truppe waren wohl wir die Eindringlinge und wir machten beim Einsteigen vorsichtshalber einen großen Bogen um die Familie.

Wenig später kamen wir in Haßfurt am Campingplatz der Naturfreunde an. Wir bauten unsere Minizelte auf und Bastian wunderte sich, wie klein die waren. Ich wundere mich nicht, denn ich hatte eine Woche vorher im eigenen Garten eine Probeübernach-tung gemacht, um auszuprobieren, ob ich mir das in meinem Alter überhaupt noch antun konnte. Anschließend ging es in das nahe gelegene Städtchen. Die Innenstadt ist recht schön anzusehen. Die dortige Gastronomie hatte es allerdings in sich. In dem fränkischen Wirtshaus zum Fass wurden wir mit der Begründung abgewimmelt, dass angeblich kein Platz mehr frei sei. Ein, zwei weitere Lokale hatten geschlossen (Corona!). Schlussendlich landeten wir in der Gaststätte Zum Centgrafen. Es handelte sich um eine Art besseres Dönerlokal. Der Wirt war freundlich und wir saßen gemütlich in dem kleinen Biergarten. Auf dem Rückweg nahmen wir noch einen kleinen Absacker am Hafen zu uns. Dort hatte man eine Strandbar aufgebaut. Auch der zweite Tag konnte somit nur als gelungen bezeichnet werden. Meistens schien die Sonne und der im Wetterbericht angekündigte Regen hatte uns bis dato verschont.

 

 

4. Tag: Haßfurt - Schweinfurt 23 km

Auch am nächsten Morgen war es sonnig. Wir packten die Zelte ein, beluden unter dem regen Interesse der Mitcamper unser Kajak, ließen es wieder zu Wasser und paddelten los. Mainabwärts war der Himmel bedrohlich schwarz und wir konnten nur hoffen, dass es sich vor uns ausregnen würde. Leider nicht!
Kurz nach Obertheres, wir waren gerade unter einer großen Straßenbrücke hindurch gepaddelt, die uns etwas Schutz hätte bieten können, ging es los!

Anders als bei meinen Fahrradtouren bestand auf dem Main keine Chance, irgendwo unter einem Vordach oder ähnlichem Schutz zu suchen. Wir sind dann wild entschlossen an den Kanalrand unter irgendwelches Gestrüpp gepaddelt und haben das Unwetter über uns ergehen lassen. Ich hatte glücklicherweise nur die Badehose und ein Radlershirt an, Bastian blöderweise ein normales Baumwoll-T-Shirt, das sich entsprechend vollsog. Glücklicherweise gab es dann im nächsten kleinen Örtchen namens Untertheres eine Anlandestelle. Der Regen hatte aufgehört. Wir verschnauften dort und Bastian wechselte sein T-Shirt. Mein Radlershirt war von selbst fast trocken geworden.

Wenig später kam dann die letzte Schleuse unserer Tour, nämlich die Schleuse Ottendorf. Inzwischen schon routiniert, steuerten wir die die kleine Sportbootschleuse neben dem Stauwehr an und mussten vor der Schleuse das Boot festmachen. Vor uns war nämlich irgendjemand als letztes talwärts gefahren. Das obere Schleusentor war geschlossen und die Schleusenkammer war leer. Mein eigener Schleusenwärter hat dann routiniert das untere Schleusentor geschlossen und den Schieber des oberen Schleusentor geöffnet, damit sich die Kammer füllen konnte. Das ganze ging aber derartig langsam, dass abzusehen war, dass wir mit dem
anschließenden Abschleusen gut Stunde gebraucht hätten. Das war uns dann, auch im Hinblick auf das durchwachsene Wetter, zu lange. Kurzentschlossen nahmen wir das Boot raus und trugen es zu Fuß zum talseitigen Ende der Schleuse. Dort setzten wir das Boot wieder ins Wasser, luden das Gepäck ein und paddelten weiter. Es stellte sich heraus, dass dies eine gute Idee gewesen war. Auf dem letzten Stück nach Schweinfurt fing es nämlich wieder zu regnen an.
Entgegen meiner sonstigen Art, Übernachtungen spontan zu buchen, hatte ich schon in Haßfurt eine Unterkunft in Schweinfurt gesucht und in der dortigen, direkt am Main gelegenen Jugendherberge gefunden. So kamen wir, inzwischen hatte es zu regnen aufgehört, an der Jugendherberge an, die einen eigenen Bootssteg hat. Nach dem üblichen Corona-test konnten wir dann unser Einzelzimmer beziehen. Das Boot durften wir in einem nicht genutzten Tagungsraum im Erdgeschoss unterbringen. Nach dem feuchten Tag war die warme Dusche eine wahre Wohltat. So erfrischt, machten wir uns anschließend auf ins Brauhaus am Markt in der Innenstadt. Dort gönnten wir uns noch mal ein richtig leckeres, deftiges fränkisches Abendessen.

Wir beratschlagten, ob wir am nächsten Tag weiterfahren sollten oder nicht. Der Wetterbericht war nämlich absolut be..... und als nächste Stationen in jeweils weiteren etwa 30 km Entfernung hätten Volkach und Kitzingen angestanden.
Das Problem war nur, dass Volkach keinen Eisenbahnanschluss hat, wir also auch bei schlechten Wetter bis Kitzingen hätten weiterpaddeln müssen. Wir verschoben die Entscheidung dann auf den nächsten Morgen. Beim Frühstück, der Wetterbericht war immer noch miserabel, beschlossen wir die Tour in Schweinfurt zu beenden. Wir packten unser Boot ein, ließen uns mit dem Taxi zum Bahnhof bringen und fuhren nach Hause nach Göppingen. Es stellte sich heraus, dass die Entscheidung goldrichtig gewesen war. An diesem Tag ging über Franken ein fürchterliches Unwetter nieder. In Volkach war das dortige gleichnamige Bächlein namens Volkach über die Ufer getreten und in anderen Orten Frankens sah es noch schlimmer aus. Es war eben dieser Sommer, bei dem einige Wochen später das halbe Ahrtal von dem dortigen Flüsschen weggespült wurde.

Es waren also leider nur drei Tage, aber diese drei Tage waren ein richtiges Erlebnis und es war einfach auch toll, mit meinen Sohn eine richtige Männertour durch die Natur, diesmal nicht wie vor vielen Jahren mit dem Fahrrad, sondern mit dem Boot gemacht zu haben. Wir haben uns beide vorgenommen, nächstes Jahr auf einem anderen Fluss, der auch etwas mehr fließt, einen neuen Versuch zu starten

Tja und das war also unsere Padeltour auf dem Main.

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